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Ägypten (arabisch ‏مصر‎ Miṣr, offiziell Arabische Republik Ägypten) ist ein Staat im nordöstlichen Afrika mit einer Einwohnerzahl von über 80 Millionen Menschen und einer Fläche von über einer Million Quadratkilometern. Die Metropole Kairo ist Hauptstadt und eine der bevölkerungsreichsten Städte bzw Regionen der Erde. Ägypten hat als ein interkontinentaler Staat eine Landbrücke vom größeren afrikanischen Teil zu Asien, den Sinai. Diese Halbinsel wird im Allgemeinen zum asiatischen Kontinent gezählt.

Ägyptens Nachbarländer im Süden sind der Sudan und im Westen Libyen. Die nördliche natürliche Grenze ist das Levantische Meer, der östlichste Teil des Mittelmeeres. Die nächste Insel ist Zypern und befindet sich etwa 380 km Luftlinie von der ägyptischen Küste entfernt. Im Nordosten grenzt Ägypten an Gaza und Israel und im Südosten hat es eine ausgedehnte Küste zum Roten Meer mit seinen beiden Meeresarmen dem Golf von Sues und dem Golf von Aqaba bzw. Eilat. Dem letztgenannten Golf liegen Saudi-Arabien und Jordanien gegenüber, wohin Fährverbindungen bestehen. Der längste Strom Afrikas, der Nil, durchfließt das Land von Süd nach Nord als seine wichtigste Lebensader und mündet auch hier in einem Delta in das Mittelmeer. Eine weitere Lebensader ist der Sueskanal, eine künstliche Wasserstraße mit herausragender Bedeutung für die Weltwirtschaft, die das europäische Mittelmeer mit dem Indischen Ozean verbindet. Große Teile des Territoriums des Landes sind Wüsten.
Ägypten hat vor allem durch seine hohe Bevölkerungsanzahl eine enorme politische und kulturelle Ausstrahlung in der arabischen und islamischen Welt. Aber auch in der Geschichte der Zivilisation der Menschheit hatte es eine große Bedeutung, wovon viele Ausgrabungen und antike architektonische Sehenswürdigkeiten zeugen. Hier entstand bereits um 3000 vor Christus mit dem Alten Ägypten eine der frühen Hochkulturen der Alten Welt. Das begehrte Land am Nil erlebte nach der Pharaonen-Zeit eine wechselvolle Geschichte von vielen Fremdherrschaften bis es 1922 wieder seine Selbstständigkeit erlangte. Aber auch jetzt endeten die Machtkämpfe um Ägypten, diesmal im Innern, nicht. Im 21. Jahrhundert erfassten die Proteste des Arabischen Frühlings auch Ägypten, was 2012 abermals einen der in der Vergangenheit häufigen Regierungswechsel erzeugte.

Landesname

  • Der altägyptische Landesname Km.t bedeutet „Schwarzes Land“ und bezieht sich auf die fruchtbaren Böden des Niltals im Gegensatz zum „Roten Land“ der angrenzenden Wüsten, dem DSr.t. Im Koptischen wurde daraus Kīmi oder Kīmə, im Altgriechischen schließlich Kymeía.
  • Der arabische Begriff Miṣr, heute der offizielle Staatsname, ist semitischen Ursprungs. Er ist der ursprünglichen assyrischen Schreibweise Miṣir/Muṣur sehr ähnlich, aber auch mit dem hebräischen מִצְרַיִם (Mitzráyim) verwandt. Er bedeutet schlicht „Land“ oder „Staat“, wobei historisch damit Unterägypten (Das untere Land) gemeint war und der Name später auf das gesamte Land (Unter- und Oberägypten) übertragen wurde. Dies kommt auch in der späteren hebräischen Bezeichnung als Dual-Begriff zum Ausdruck. Im ägyptischen Dialekt des Arabischen wird aus Miṣr allerdings Maṣr und schließlich maṣri für „ägyptisch“, der häufige Beiname al-Masri bedeutet daher „der Ägypter“. In der Achämenidenzeit führte Ägypten als Satrapie den altpersischen Namen Mudraya.
  • Die europäischen Begriffe Egypt, Ägypten, Égypte, Egitto etc. stammen von dem lateinischen Aegyptus und damit letztlich vom altgriechischen Αίγυπτος (Aigyptos) ab. Die Kopten beanspruchen für sich, die direkten Nachfahren der altägyptischen Bevölkerung der Pharaonenzeit zu sein.[4] Aus ihrem Namen entstand das griechische aigyptos, das im Deutschen zu Ägypten wurde. Nach einer verbreiteten Theorie stellt Aigyptos eine Fortsetzung des altägyptischen Ausdrucks ḥwt-k3-ptḥ dar, was „Sitz der Seele des (Gottes) Ptah“ bedeutet und womit auf den großen Ptah-Tempel in Memphis angespielt wird.

Geographie

Topographie Ägyptens

Satellitenkarte Ägyptens

Ägyptens Territorium hat grob gesehen eine fast quadratische Form und wird durch den nördlichen Wendekreis gestreift. Die Landschaft wechselt zwischen der von Steppe bzw. Dornensavanne geprägten nördlichen Küstenlandschaft, Wüsten, Halbwüsten, vielen Oasen, Meeresflächen und der Flusslandschaft des Nils ab. Neben dem Schiffahrtskanal von Bur Said nach Sues ist der Nil die Hauptschlagader Ägyptens. Dessen von seiner Mündung, dem 24.000 km² großen Nildelta am weitesten entfernte Quellfluss ist der Kagera, der im Gebirgsland von Burundi entspringt. Der Strom hat eine Länge von etwa 1.550 km und erreicht bei Assuan nach dem Assuan-Staudamm sein natürliches Flussbett in Ägypten. Abgesehen von einigen Oasen und kleinen Häfen an den Küsten bieten allein sein Wasser und seine fruchtbaren Uferregionen die Grundlage für Anbau und Besiedlung. Diese Fläche macht etwa fünf Prozent des Territoriums aus.

Das Staatsgebiet lässt sich in sieben naturräumliche Einheiten untergliedern:
Im äußersten Süden liegt der zu Nubien und Oberägypten zählende Abschnitt des Niltals zwischen Abu Simbel und Assuan, der heute vom Nassersee eingenommen wird. Im weiteren Verlauf hat sich der Nil kastenförmig in die Kalksteintafel der Wüste eingeschnitten. Vom Austritt des Flusses aus dem Nassersee bis nach Kairo bildet das Niltal eine bis zu 25 km breite, fruchtbare Fluss-Oase.

In Unterägypten, nördlich von Kairo, gabelt sich der Nil in zwei Hauptmündungsarme zwischen Rosette und Damiette und bildet eine rund 23.000 km² umfassende, intensiv bewirtschaftete Deltalandschaft aus abgelagertem Nilschlamm, durchzogen von zahllosen kleineren Mündungsarmen, Kanälen und Bewässerungsanlagen.

Die westlich des Nils gelegene Libysche Wüste nimmt als weites, flaches Schichttafelland rund zwei Drittel der ägyptischen Staatsfläche ein. In ihrem Norden liegt das relativ niedrige Libysche Plateau, das in Ägypten bis zu 241 m Höhe erreicht. Südöstlich davon senkt sich das Gelände in der von Salzsümpfen erfüllten Qattara-Senke auf bis zu 133 m unter dem Niveau des Meeresspiegels ab, im Südwesten steigt die Wüste bis auf 1.098 m an. Im übrigen unterbrechen nur einzelne Becken und Niederungen mit den Oasen von Siwa, Bahariyya, Farafra, Dachla und Charga die von Norden nach Süden rund 1.000 km lange eintönige Sand- und Dünenlandschaft. Rund 100 km südwestlich von Kairo befindet sich das 1.827 km² große Fayyum-Becken, eine beckenartige Oasenlandschaft, in deren Nordteil sich der 230 km² große Qarun-See befindet.

Im Gegensatz dazu wird die östlich des Nils gelegene Arabische Wüste von einem durch Wadis stark zerfurchten Gebirgszug beherrscht, der im Mittelabschnitt mehr als 2.000 m Höhe erreicht. Die Arabische Wüste ist der westliche Abschnitt einer Aufwölbungszone, deren zentraler Teil im Tertiär eingebrochen ist und heute den über 1.000 m tiefen Graben des Roten Meeres bildet. Dieser wiederum ist ein Teilstück des Syrisch-Afrikanischen Grabenbruchsystems.

Auf der Sinai-Halbinsel findet die Aufwölbungszone ihre Fortsetzung. Hier erhebt sich mit dem Dschabal Katrina (Katharinenberg) (2.637 m) der höchste Berg Ägyptens. Der Golf von Sues und der Golf von Akaba umfließen die Halbinsel von Westen, Süden und Osten her. Durch den 161 km langen hochseetauglichen Sueskanal besteht eine Verbindung zwischen Rotem Meer und Mittelmeer.

Vom Nildelta abgesehen, säumen meist flache Dünen die ägyptische Mittelmeerküste. Dagegen sind die Küstenbereiche am Roten Meer schroffer – die Gebirgszüge reichen häufig bis nahe an das Meer heran. Aufgrund der hohen Wassertemperatur sind hier vielfach Korallenriffe vorgelagert.

Klima

Klimadiagramm von Kairo

Ägypten liegt innerhalb des nordafrikanischen Trockengürtels mit sehr wenig Niederschlägen, sowie beträchtlichen saisonalen und täglichen Temperaturschwankungen. Nur der nördliche Küstenstreifen und das Nildelta sind mit Winterniederschlägen zwischen 100 und 200 mm mediterran beeinflusst; südlich von Kairo dagegen regnet es äußerst selten. Die mittleren täglichen Temperaturmaxima liegen im Januar zwischen 20 °C (Port Said, Kairo) und 24 °C (Assuan), wobei es nachts sehr stark abkühlen kann. Im Juli erreichen die Tagestemperaturen 31 °C (Port Said), 35 °C (Kairo) und 41 °C (Assuan), doch ist die große Hitze wegen der geringen relativen Luftfeuchtigkeit von etwa 30 % (im Sommer) gut zu ertragen. Von März bis Juni weht der heiße Chamsin, ein aus Süden kommender Sand- und Staubwind. An der Küste des Roten Meeres ist das Klima etwas gemäßigter mit weniger heißen Sommern (um 35 °C) und milden Wintern (auch nachts nur selten unter 10 °C).

Dank der Größe des Landes lassen sich fünf detailliertere Klimagebiete beschreiben:

Die etwa 700 km lange Mittelmeerküste und das Nildelta zeichnen sich durch milde Winter und sehr warme Sommer aus. Im Winter bewegen sich die durchschnittlichen Tagestemperaturen bei 17–20 °C, während sie in der Nacht auf etwa 8–11 °C fallen. Dazu gibt es für ägyptische Verhältnisse mit bis zu 200 mm bedeutenden Niederschlag – das entspricht rund 30 jährlichen Regentagen in der Region um Alexandria, fast alle davon im Winter. Das Frühjahr ist warm und trocken, ebenso der Herbst, wobei die höchsten Temperaturen im Frühjahr und nicht im Hochsommer gemessen wurden (42–45 °C). Im Sommer wird es sehr warm mit Tageswerten von 28–32 °C beziehungsweise 19–24 °C in der Nacht. Es gibt demnach geringe Temperaturschwankungen zwischen Tag und Nacht und es fällt kein Niederschlag mehr. Die Luftfeuchtigkeit ist das ganze Jahr über relativ hoch (60–75 %), was die Luft oft heißer empfinden lässt als sie ist. Das Meer lädt im Sommer mit Werten von bis zu 28 °C zum Baden ein, im Winter kühlt es auf 16–18 °C ab.

Das untere Niltal, das sich grob als von Kairo bis Asyut reichend einteilen lässt, ist ebenfalls von milden Wintern geprägt, die Sommer sind allerdings heißer als im Nildelta und an der Mittelmeerküste, und es gibt ganzjährig kaum Niederschlag (5–30 mm). Die Luftfeuchtigkeit ist mit 40–60 % ebenfalls merklich geringer. An Wintertagen klettert die Quecksilbersäule meist auf 18–22 °C, um in den Nächten auf kältere Werte als an der Küste zu fallen (4–9 °C). Mit großen Temperaturunterschieden zwischen Tag und Nacht ist sogar Morgenfrost möglich. Frühjahr und Herbst sind kürzer und wärmer als an der Küste, die Sommer länger und heißer mit Temperaturen von 34–37 °C am Tag und 20–22 °C in der Nacht. Die Spitzenwerte belaufen sich auf bis zu 48 °C.

Das obere Niltal teilt die klimatischen Eigenschaften mit den östlich und vor allem westlich davon gelegenen Wüstengebieten und Oasen. Die Winter sind ebenfalls mild (19–22 °C) mit kühlen Nächten (5–10 °C). Frühjahr und Herbst sind sehr kurz und warm, die Sommer lang (Ende April bis Ende Oktober), heiß und staubtrocken. Die durchschnittlichen Tageswerte erreichen 38–42 °C, die Nachtwerte 22–26 °C. Die Luftfeuchtigkeit ist ganzjährig eher gering (15–50 %), begleitet von beinahe völliger Niederschlagslosigkeit. In Städten wie Assuan, Luxor oder Dakhla misst man in der Regel 0–2 Regentage im Jahr. Hitzewellen können Temperaturen von über 50 °C bewirken.

Die Küstengebiete am Roten Meer kennen milde bis warme Winter mit sehr moderaten Temperaturen: kaum unter 20 °C am Tag und 10–13 °C in der Nacht. Frühjahr und Herbst sind ziemlich warm, die Sommer sehr warm bis heiß und extrem trocken. Tagsüber sind 34–38 °C zu erwarten, mit gelegentlichen Hitzeperioden von über 40 °C, nachts sinken die Werte meist nicht unter 25 °C. Die Luftfeuchtigkeit beträgt ganzjährig 30–55 %, Niederschlag gibt es praktisch nicht (0–3 Tage). Das Meer lädt mit rund 20–29 °C ganzjährig zum Baden ein.

Das Sinai-Gebirge stellt klimatisch gesehen in einer Hinsicht eine Besonderheit in Ägypten dar: Durch seine höheren Lagen fallen hier die Winter sehr kühl aus (12–15 °C am Tag, 0–5 °C in der Nacht). Frühjahr und Herbst sind dementsprechend etwas länger, die Sommer trotzdem sehr warm mit tagsüber meist 32 °C. In den Nächten fallen die Werte aber auf kühlere 15–18 °C. Im übrigen (Niederschlag, Luftfeuchtigkeit) bietet sich hier dasselbe Bild wie anderenorts auch: 1–3 Regentage im Jahr und 20–40 % Luftfeuchtigkeit.

Flora und Fauna

Nil bei El-Minija

Die natürliche Vegetation ist wegen der geringen Niederschläge wie auch der intensiven agrarischen Nutzung des Niltals stark eingeschränkt.[5] Die Wüste ist fast völlig vegetationslos, vereinzelt wachsen Tamarisken, Akazien und Dornsträucher, in der Wüstensteppe auch Hartgräser; entlang dem Nilufer gruppieren sich Nilakazien, Dattelpalmen, Maulbeerfeigen und Johannisbrotbäume sowie eingeführte Kasuarinen. Typisch für das Nildelta sind Lotuspflaumen, Bambusrohr und Schilfgewächse; die im Altertum hier kultivierten Papyrusstauden gibt es kaum noch.

Die Fauna Ägyptens ist reich an Wasservögeln im Deltabereich und am Nil (v. a. Reiher, Kraniche und Nilgänse); während der Wintermonate gesellen sich viele europäische Zugvögel hinzu. An Raub- und Aasvögeln sind Milane, Bartgeier und Habichte heimisch. Zu den größeren Säugetierarten des Landes gehören – neben den domestizierten Kamelen, Eseln, Schafen und ZiegenSchakale, Hyänen, Fenneks, Wildkatzen und – in den Gebirgsregionen – Syrische Steinböcke. Die Wüste wird von Hasen, Springmäusen, mehreren Eidechsenarten, Skorpionen belebt. In den ländlichen Gebieten am Nil kommt die Ägyptische Kobra vor; am Nassersee leben noch einige Krokodile. Im Nil und in den Seen an der Deltaküste gibt es mehr als 190 verschiedene Fischarten.

Nationalparks

In Ägypten gibt es drei Nationalparks
Name Gründung Größe [ha] Bemerkung Karte Ansicht
Gebel-Elba-Nationalpark 1986 3.560.000 im umstrittenen Hala’ib-Dreieck
Ägypten (Ägypten)
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Ras-Mohammed-Nationalpark 1983 48.000
Ägypten (Ägypten)
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Wadi-al-Gamal-Nationalpark 2003 745.000
Ägypten (Ägypten)
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Bevölkerung

Demografie

Bevölkerungsdichte

Die Bevölkerung Ägyptens siedelt primär im Niltal, im Nildelta, am Sueskanal und an touristisch bedeutsamen Orten am Meer. In den westlichen Oasen Al-Fayyūm, Dachla, Farafra, Siwa und Charga leben nur wenige Menschen.

Das Bevölkerungswachstum betrug 2009 1,8 % pro Jahr.[6] Um 1800 hatte das Land nur etwa 2,5 Millionen Einwohner. Im Jahre 1900 betrug die Bevölkerung etwa 12,5 Millionen Einwohner, 2000 schon fast 68 Millionen. In der Vergangenheit, etwa zu Zeiten der Pharaonen, hatte das Land zwischen 4 und maximal 12 Millionen Einwohner – eine Bevölkerungszahl, die wohl auch in der Spätantike erreicht wurde. 42 % aller Ägypter lebten 2004 in Städten, 33,9 % waren unter 15 Jahre alt. 2009 lebten offiziell etwas mehr als 83 Millionen Menschen in Ägypten.

Etwa 2,7 Millionen Ägypter leben im Ausland. Die meisten von ihnen, etwa 70 %, leben in arabischen Staaten: 923.600 in Saudi-Arabien, 332.600 in Libyen, 226.850 in Jordanien und 190.550 in Kuwait. Die verbleibenden 30 % leben zumeist in Europa und Nordamerika: 318.000 in den Vereinigten Staaten, 110.000 in Kanada und 90.000 in Italien.[7]

Volksgruppen

Der Großteil der Bevölkerung – zu etwa 91 % – sind die Nachkommen der alten Ägypter. Sie wurden jedoch durch Einwanderung und Vermischungen mit der Zeit kulturell und sprachlich arabisiert. Als unvermischte Nachfahren gelten die sesshaften und Ackerbau treibenden Fellachen und die christlichen Kopten, welche vorwiegend in Oberägypten und in den Städten leben.[8]

Im Süden Ägyptens sind noch etwa 140.000 Nubier ansässig, eine größere Zahl lebt auch in den Städten. Viele von ihnen wurden aufgrund des Baus des Nasser-Staudamms vom Süden nach Kom Ombo umgesiedelt. In der Libyschen Wüste lebten einst Berberstämme, von denen heute allerdings nur noch wenige in der Oase Siwa wohnen. Daneben gibt es etwa 70.000 arabische Beduinen, welche nomadisch in den Wüsten des Landes leben. Ferner leben in der Wüste östlich des Nils auch Bedscha-sprachige Nomaden.

Im Norden Ägyptens leben darüber hinaus auch Italiener, Türken, Abchasen und Briten.[9] Die einst florierenden griechischen und jüdischen Gemeinden sind nahezu verschwunden, nur eine kleine Zahl verblieb in Ägypten; jedoch besuchen viele ägyptische Juden das Land für religiöse Ereignisse und für den Tourismus: noch heute finden sich in Kairo und Alexandrien viele archäologische und historische jüdische Stätten.

Sprachen

Die Amtssprache ist allein Arabisch. Als lokale Muttersprache wird mehrheitlich Ägyptisch-Arabisch, ein neuarabischer Dialekt, gesprochen. Schriftsprache ist jedoch seit der arabischen Eroberung im 7. Jahrhundert das Hocharabische, nur in der koptischen Kirche wird als Liturgiesprache noch das Koptische verwendet, das in einer eigenen Schrift, die von der griechischen – und einige Zeichen von der demotischen Schrift – abgeleitet ist, geschrieben wird.

Im Süden und in der Oase Charga sprechen viele Menschen Nubisch. In der Oase Siwa spricht man noch eine Berbersprache, das so genannte Siwi. Im Südosten gibt es auch Bedscha-Sprecher. Außerdem gibt es rund 230.000 Domari-Sprecher – eine indoiranische Sprache.

Als Fremdsprache ist in der Oberschicht Französisch und in letzter Zeit vor allem Englisch verbreitet. Die wichtigsten Sprachen der Einwanderer sind Griechisch, Westarmenisch und Italienisch. In Alexandrien des späten 19. Jahrhunderts gab es eine große Gemeinschaft von italienischen Ägyptern, und Italienisch war bis ins 20. Jahrhundert die Verkehrssprache der Stadt.[10]

Religionen

Ägypten ist der Verfassung nach ein islamischer Staat, der Islam wurde 1980 zur Staatsreligion. Theoretisch gewährt Artikel 18 der ägyptischen Verfassung allen Bürgern Religionsfreiheit, aber in der Praxis ist diese eingeschränkt. Lange Zeit konnte man auf staatlichen Ausweisen nur zwischen den drei offiziell anerkannten Religionen Islam, Christentum und Judentum wählen. Angehörige anderer Religionen müssen ihren Glauben entweder verleugnen, oder sie erhalten keine Ausweise und verzichten dadurch weitgehend auf ihre Bürgerrechte. Nach einem jahrelangen Rechtsstreit änderte der Staat die Praxis der Ausweisausstellung dahingehend, dass bei Angehörigen anderer Religionen das entsprechende Feld durchgestrichen wird.[11] Ersteres trifft auf Muslime zu, die zu einer anderen Religion, wie dem Christentum, konvertieren; für solche Personen wird von zahlreichen Politikern und Religionsgelehrten sogar die Todesstrafe gefordert.[12]

Die christliche Minderheit in Ägypten sieht sich nun mit immer stärkeren Diskriminierungen seitens der ägyptischen Behörden und der islamischen Religionsvertreter konfrontiert. Beinahe alle Einwohner jüdischen Glaubens in Ägypten wurden seit 1948 nach und nach vertrieben. Rund 2000 Bahai leben in Ägypten. Ihre Institutionen wurden 1960 durch ein Gesetz aufgelöst. Die Bahai kämpfen um staatliche Anerkennung.[13] Jehovas Zeugen veröffentlichen seit ihrem Verbot im Jahr 1960 keine Daten mehr über ihre Mitgliederzahlen in Ägypten.

Muslime

Etwa 90 %[14] der Einwohner Ägyptens bekennen sich zum sunnitischen Islam,[15] ferner gibt es sufistische und schiitische Minderheiten. Das islamische Recht, die Scharia, ist seit 1980 die Hauptquelle der Gesetzgebung.[16]

Die Auslegung des Islams war in Ägypten bis in die 1970er Jahre hinein zumeist modern und fortschrittlich, insbesondere durch die in der muslimischen Welt führende al-Azhar-Universität. Allerdings ist Ägypten seit einigen Jahrzehnten ein Zentrum des sich seit 1967 von Saudi-Arabien ausbreitenden islamischen Fundamentalismus. So ist die Muslimbruderschaft dort aktiv, und in Osama bin Ladens Terrorgruppe al-Qaida fanden sich schon zu Zeiten des 11. September 2001 auch Ägypter in Führungspositionen. Teils stehen sie bis heute mit an der Spitze.

Sichtbares Zeichen einer zunehmenden Islamisierung der Gesellschaft sind die immer häufiger zu sehenden tief verschleierten Frauen. Dies ist unter anderem auf den stärkeren Einfluss von konservativen Strömungen aus den Golfstaaten (verstärkt durch die Rückkehr von ägyptischen Wirtschaftsmigranten aus der Region) zurückzuführen. Noch in den 1990er Jahren war die Mehrheit der ägyptischen Frauen gänzlich unverschleiert.[17]

Christen

Hauptartikel: Christentum in Ägypten

Vor der Islamischen Expansion im 7. Jahrhundert war in Ägypten das Christentum die dominierende Religion; der Evangelist Markus soll in Ägypten schon um das Jahr 50 missioniert haben.[18] Heute findet man in Mittel- und Oberägypten (nicht selten in überwiegend christlichen Dörfern), aber auch in Kairo und Alexandria eine koptische Minderheit, die mit anderen Christen zwischen vier und 15 Prozent der Gesamtbevölkerung Ägyptens umfasst. Die staatlichen und kirchlichen Zahlenangaben differieren stark (nach offiziellen Angaben machen die Christen nicht mehr als sechs Prozent der Bevölkerung aus).[19] Die ägyptischen Christen sind von Diskriminierungen betroffen; seit der Revolution 2011 sollen etwa 100.000 das Land verlassen haben.[20]

Andere, neben der Koptischen Kirche, in Ägypten vertretene altorientalische Kirchen sind die Armenische Apostolische Kirche mit rund 15.000 Mitgliedern und die Syrisch-Orthodoxe Kirche von Antiochien mit lediglich rund 500 Mitgliedern. Bis heute besteht die Griechisch-Orthodoxe Kirche von Alexandria, die mehr als 200.000 Gläubige in Ägypten zählt. Eine weitere orthodoxe Kirche mit Sitz in Ägypten ist die Orthodoxe Kirche am Sinai, der im Katharinenkloster und dessen Umgebung aber nur noch rund 50 Personen angehören.

Juden

Bereits seit der Antike gibt es jüdische Gemeinden im Land. Heute leben in Ägypten nur noch sehr wenige Juden. 1947 waren es 75.000, 1948 noch 66.000 Juden. Infolge des Ersten Arabisch-Israelischen Kriegs, der Sueskrise und des Sechstagekriegs wurden beinahe alle ägyptischen Einwohner jüdischen Glaubens ausgewiesen und vertrieben, oder flohen. Bis 1968 mussten fast alle ägyptische Juden auswandern oder ins Ausland flüchten.[9] Von 1945 bis 1949 fanden auch die Pogrome von Kairo gegen die jüdische Minderheit statt.

Seit 1979 der Friedensvertrag zwischen Ägypten und Israel abgeschlossen wurde, sind die Juden in Ägypten in ihrer Religionsfreiheit nicht mehr eingeschränkt, sie bilden aber nur mehr eine marginale, überalterte Minderheit.[21]

Geschichte

Aufstieg einer Hochkultur

Altägyptischer Streitwagen

Die Hochkultur Ägyptens begann um 3000 v. Chr. mit der Schaffung eines Königreiches durch die Vereinigung von Ober- und Unterägypten unter dem legendären Pharao Menes, der in Memphis residiert haben soll. Die Einteilung der Pharaonenzeit in 30 Dynastien geht auf den ägyptischen Priester Manetho zurück, der im 3. Jahrhundert v. Chr. eine ägyptische Geschichte geschrieben hat.

Mit der 3. Dynastie entstand das Alte Reich, in dem sich Staat und Gesellschaft, Kunst und Religion ausformten und der als Verkörperung des Himmelsgottes verehrte König autokratisch über alle 42 Gaue seines Landes herrschte. Unter dem Pharao Djoser (um 2610–2590) und den Herrschern der 4. und 5. Dynastie dehnte sich das Reichsgebiet bis südlich von Assuan aus. Pharaonen wurden jetzt als Söhne des Sonnengottes Re angesehen.

Nach dem Zerfall des Alten Reiches gelang es erst einem Gaufürstengeschlecht aus dem Süden unter Mentuhotep II. (2061–2010) die Länder im Mittleren Reich (11. bis 14. Dynastie) wieder zu einigen. Als neue Hauptstadt wurde Theben mit den Tempelstätten Karnak und Luxor gegründet; bald lag jedoch die Residenz wieder im Norden. Um 1650 rissen die aus Asien stammenden Hyksos die Herrschaft über Ägypten an sich. Sie brachten Pferd und Streitwagen ins Land und damit eine neue Art der Kriegstechnik.

Fürst Kamose und seinem Nachfolger Ahmose I. gelang es um 1550 v. Chr. wiederum in Theben das Neue Reich (18. bis 20. Dynastie) zu gründen, das sich unter Amenophis I. und Thutmosis I. bis nach Nubien und zum Euphrat erstreckte. Nach der Herrschaft der „Friedensfürstin“ Hatschepsut (1490–1468) unternahm Thutmosis III. Feldzüge nach Syrien und Palästina und festigte das ägyptische Großreich, das sich vom Orontes in Syrien bis zum vierten Katarakt des Nil erstreckte. Unter König Amenophis IV. (1364–1347) kam die Expansion zum Erliegen. Er kümmerte sich vorwiegend um religiöse Fragen und löste durch die Erhebung des Sonnengottes Aton zum alleinigen Gott eine geistige Revolution aus. Unter dem Namen Echnaton regierte er zusammen mit seiner Gattin Nofretete das Reich von der neu gegründeten Residenz Achet-Aton (dem heutigen Tell el-Amarna) aus. Von seinem Nachfolger Tutanchamun (1347–1338) wurde jedoch der Monotheismus zugunsten einer Dreiheit des göttlichen Prinzips wieder abgeschafft. Unter Ramses II. (1290–1224) erlebte das Neue Reich noch einmal eine Blütezeit. Doch die Völkerbewegungen um 1200 brachten eine neue Gefahr für Ägypten, das von den Hethitern, den Libyern und von Seevölkern aus dem Norden bedroht wurde. Nach dem Tod von Ramses III. (1184–1153) setzte ein rascher Niedergang ein, Ägypten löste sich unter fremden Machthabern in eine Vielzahl von Einzelherrschaften auf.

Vom Großreich zur Provinz

525 v. Chr. wurde Ägypten vom Perserreich erobert und erstmals langfristig Provinz eines fremden Weltreiches; in gewissen Grenzen wurde ihm die Selbstverwaltung und die Religionsfreiheit zugestanden. 332 v. Chr. fiel das 404 wieder unabhängig gewordene Ägypten kampflos in die Hände Alexanders des Großen, der das Land als Teil des Makedonischen Reiches hellenisierte. Nach seinem Tod 323 v. Chr. übernahm sein Feldherr Ptolemaios I. die Verwaltung der ägyptischen Provinz. 305 nahm er als Ptolemaios I. den Titel eines Königs an und begründete damit das Herrscherhaus der Ptolemäer, das Ägypten fast 300 Jahre lang regierte. Sie erhoben das von Alexander gegründete Alexandria zu ihrer Hauptstadt und orientierten sich außenpolitisch auf den Mittelmeerraum.

Nach dem Tod Kleopatras VII., der letzten Herrscherin des Ptolemäerhauses, wurde Ägypten 30 v. Chr. zur römischen Provinz. Mit der Teilung des Römischen Reiches 395 n. Chr. kam das Land unter oströmisch-byzantinische Herrschaft und verlor durch die Verlagerung der Fernhandelswege nach Konstantinopel einen Teil seiner bisherigen wirtschaftlichen Bedeutung, blieb aber als Getreidelieferant für die oströmische Hauptstadt wichtig und wohlhabend.

Andererseits blieb Ägypten wie auch Syrien von der germanischen Völkerwanderung, die den gesamten europäischen Teil des Reichs in eine existentielle Krise stürzte, unberührt. Die in den Hauptstädten der beiden nach wie vor reichsten Provinzen ansässigen Patriarchen stritten in der ersten Hälfte des 5. Jahrhunderts um die Vorherrschaft in der Reichskirche. Im Konzil von Ephesos 431 konnte Alexandria seine Positionen in der gesamten Reichskirche durchsetzen und 449 in der sogenannten Räubersynode noch einmal bekräftigen.

Im Konzil von Chalcedon 451 setzte sich aber Papst Leo der Große mit seinen theologischen Positionen durch, denen sich auch die oströmische Regierung anschloss. Das Patriarchat von Alexandria anerkannte die Beschlüsse des Konzils jedoch nicht an. Es bildete sich in der Folge eine unabhängige koptische Kirche im Gegensatz zur Reichskirche, welche zumeist von den Kaisern unterdrückt wurde. Dies und ein hoher Steuerdruck war Ausgangspunkt einer starken Oppositionsbewegung gegenüber dem Oströmischen Reich.

In der Spätantike wurde Ägypten Ausgangspunkt christlicher Mission in Nubien und Äthiopien, deren Kirchen sich eng an die koptische Kirche Ägyptens anlehnten. Das Land blieb reich und ökonomisch bedeutsam, so dass ab 619 zunächst die persischen Sassaniden und dann ab 636 die muslimischen Araber versuchten, es dem Kaiser zu entreißen.

Unter der Herrschaft des Islam

Um 640 eroberten islamische Araber das Niltal; Ägypten wurde von nun an von wechselnden Machtzentren aus – Damaskus, Bagdad, Kairo – beherrscht. Unter den Umayyaden (661–750) siedelten sich arabische Stämme in den fruchtbaren Ebenen an und bestimmten fortan das kulturelle Erscheinungsbild Ägyptens. Mit dem Machtantritt Saladins, des Begründers der Ayyubiden-Dynastie (1171–1249), wurde Kairo zum Zentrum des muslimischen Widerstandes gegen die christlichen Kreuzzüge. Um 1250 erhob sich die Palastgarde, die sich aus Mamluken, ursprünglich zumeist türkische Militärsklaven, zusammensetzte und übernahmen die Macht. Ende des 13. Jahrhundert vernichteten sie die letzten Kreuzfahrerstaaten auf asiatischem Boden. Auch nach der Eroberung Ägyptens durch das Osmanische Reich 1517 blieb die Verwaltung in ihren Händen. Der wirtschaftliche Niedergang als Folge der Entdeckung des Seeweges nach Indien (1498) machte Ägypten zu einer der ärmsten Provinzen des Osmanischen Reiches.

Unter britischer Kontrolle

Erst die Landung des französischen Expeditionskorps unter Napoleon Bonaparte 1798 beendete die Herrschaft der Osmanen. Als nach dem Seesieg des britischen Admirals Nelson bei Abukir im selben Jahr die Franzosen ihren Orientfeldzug abbrechen mussten, nutzte der albanische Offizier Muhammad Ali Pascha die Situation zur Ergreifung der Macht (1805–1849). Er und seine Nachfolger konnten unter osmanischer Oberherrschaft eine gewisse Selbständigkeit erringen, betrieben eine expansive Politik und leiteten die Geschichte des modernen Ägyptens ein. Der Bau des Sueskanals (1859–1869) machte das Land derart von ausländischen Anleihen abhängig, dass die von Großbritannien und Frankreich eingerichtete Staatsschuldenverwaltung zur eigentlichen Regierung des Landes wurde. Zur Sicherung des Verbindungsweges nach Indien erwarb Großbritannien die ägyptischen Kanalaktien, besetzte 1882 das Land und machte es 1914 formell zu einem Protektorat. 1922 wurde Ägypten unter Fu’ad I. ein schon weitgehend selbständiges Königreich und erhielt nach dessen Tod 1936 die Souveränität. Im Zweiten Weltkrieg wurde der Nordwesten Ägyptens zum Schlachtfeld der deutschen und italienischen Armeen unter Erwin Rommel und den Briten unter Bernard Montgomery. Britische Truppen blieben bis 1946 im Land. 1945 war Ägypten eines der 51 Gründungsmitglieder der Vereinten Nationen.

Ägypten als Republik

1948 beteiligten sich ägyptische Armeen am arabischen Angriff auf den eben ausgerufenen Staat Israel, wurden aber, wie die anderen arabischen Armeen auch, zurückgeschlagen. Am 23. Juli 1952 (Nationalfeiertag) stürzte die Bewegung der „Freien Offiziere“ den 1936 inthronisierten König Faruk. Die Geschichte der jungen Republik Ägypten wurde zunächst von General Ali Muhammad Nagib, anschließend von dem führenden Kopf der Revolution, Oberst Gamal Abdel Nasser (1954–1970) bestimmt. Nassers sozialistisches Regime unterhielt enge Beziehungen zur Sowjetunion. Die Verstaatlichung der Sueskanal-Gesellschaft 1956 führte zum militärischen Eingreifen Israels, Großbritanniens und Frankreichs. Die Sueskrise wurde durch Intervention der UN beigelegt. 1958 schloss sich Ägypten mit Syrien und Nordjemen zur Vereinigten Arabischen Republik (VAR) zusammen, die faktisch nur bis 1961 bestand. Im Sechstagekrieg mit Israel im Juni 1967, in dem israelische Truppen bis zum Sueskanal vordrangen, erlitt das Land eine schwere militärische Niederlage. Nach dem Tod Nassers 1970 wurde Vizepräsident Anwar as-Sadat Staatspräsident. Durch den – teilweise erfolgreichen – Jom-Kippur-Krieg 1973 versuchte Sadat, die Niederlage von 1967 wettzumachen.

1977 leitete Sadat durch eine überraschende Friedensinitiative den Dialog mit Israel ein, der 1979 zum Friedensvertrag und zum Abzug der israelischen Truppen von der Sinai-Halbinsel führte, andererseits jedoch das Land innerhalb der arabischen Welt isolierte und den Widerstand islamischer Fundamentalisten hervorrief. 1981 wurde Sadat, der 1978 zusammen mit Israels Premierminister Menachem Begin den Friedensnobelpreis erhalten hatte, das Opfer eines Attentats. Seinem Nachfolger, dem damals als Vizepräsident amtierenden Husni Mubarak, ist es gelungen, Ägypten wieder als vollrespektiertes Mitglied in die Arabische Liga zurückzuführen. Er regierte jedoch seit dem Erlass der Notstandsgesetze 1982 bis zu der Revolution 2011 autoritär.

Politik

Gemäß der Verfassung von 1971, zuletzt geändert 2005, ist Ägypten eine Präsidialrepublik. Seit Juni 2012 wird von der Verfassunggebenden Versammlung, in der Muslimbrüder und Salafisten eine Mehrheit der 100 Sitze haben, eine neue Verfassung erstellt. Dessen Entwurf wird jedoch von Nichtregierungsorganisationen wie Human Rights Watch kritisiert, da viele Rechte (wie Frauenrechte oder der religiösen Minderheiten) durch Einschränkungen und vage Formulierungen zerstört werden.[22] Viele Kritiker betrachten die neue Verfassung als schlechter als alle bisherigen Verfassungen.[23]

Im November 2012 entzog Präsident Mohammed Mursi seine Entscheidungen und Dekrete der Kontrolle durch die Justiz und erklärte sie so für unantastbar. Die Gewaltenteilung setzte er damit faktisch außer Kraft.[24][25]

Präsident

Staatsoberhaupt war bis zum arabischen Frühling der vom Parlament mit Zweidrittelmehrheit nominierte und anschließend für sechs Jahre durch Volkswahl bestätigte Präsident, der gleichzeitig Oberbefehlshaber der Streitkräfte ist. Dies war von 1981 bis 2011 Husni Mubarak, der zuletzt 2005 wiedergewählt wurde. Nach einer Ankündigung Mubaraks vom 26. Februar 2005 sollte der Präsident jedoch in Zukunft durch freie Wahlen mit mehreren zugelassenen Kandidaten gewählt werden. Der Präsident ernennt den Premierminister und die Mitglieder des Kabinetts sowie die Gouverneure, die hohen Richter und Offiziere. Er hat zudem ein Vetorecht bei der Gesetzgebung, kann Dektrete erlassen und das Parlament auflösen. Kritiker merkten an, dass Mubarak seit dem Tod seines Vorgängers per Notstandsgesetz regierte. Er herrsche demnach über ein pseudodemokratisches System. Sie sagen, dass Wahlen teilweise gefälscht oder verschoben worden waren und manche Oppositionelle nach Scheinprozessen ins Gefängnis kämen. In Ägypten existiere nur soviel öffentliche Opposition, wie Mubarak zulasse. Im von Mubarak am 1. Januar 2006 ernannten neuen Kabinett Nazif blieben die Schlüsselpositionen unverändert.

Im Zuge des Arabischen Frühlings, bei denen circa 850 Demonstranten in Ägypten ums Leben kamen, trat er zurück.[26] Daraufhin kam es erstmals zu freien Präsidentschaftswahlen. Die Stichwahl wurde am 16. und 17. Juni 2012 abgehalten; der erste Wahlgang wurde am 23. und 24. Mai 2012 abgehalten. Am 24. Juni 2012 wurde das Ergebnis bekanntgegeben: Mohammed Mursi wurde demzufolge mit 51,7 % der gültigen Stimmen zum Präsidenten gewählt[27] und wurde mit seiner Vereidigung am 30. Juni 2012 zum amtierenden Staatsoberhaupt.[28]

Parlament

Das Parlament besteht aus dem Rat des Volkes mit 454 Mitgliedern, von denen 444 alle fünf Jahre gewählt (seit 1986 400 Abgeordnete über Parteilisten und 44 als parteilose Direktkandidaten) und zehn vom Staatsoberhaupt ernannt werden. Beratendes Legislativorgan ist der Schura-Rat mit 210 Mitgliedern, von denen zwei Drittel alle drei Jahre gewählt und ein Drittel vom Staatsoberhaupt ernannt werden. Für alle Ägypter im Alter ab 18 Jahren besteht eine Wahlpflicht.

Aus den in drei Runden stattfindenden Wahlen zum Rat des Volkes zwischen dem 28. November 2011 und 10. Januar 2012 ging die von der Freiheits- und Gerechtigkeitspartei (Muslimbrüder) angeführte Demokratische Allianz für Ägypten als stärkste Kraft mit rund 45 % der insgesamt 498 Sitze hervor. Die salafistische Partei des Lichts wurde mit ca. 25 % der Sitze zweitstärkste Fraktion. Die Nachfolgerparteien der einst regierenden Nationaldemokratischen Partei (NDP) verloren stark und kamen auf nur noch 18 Sitze (2010: 420). Es folgten die liberale Neue Wafd-Partei mit 39 (6) Sitzen und der linke Ägyptische Block mit 35 Sitzen. 40 Sitze (70) belegten Unabhängige und Angehörige kleinerer Parteien.

Aus den Teilwahlen zum Schura-Rat, dem ägyptischen Oberhaus, im Januar/Februar 2012 gingen ebenfalls die Muslimbrüder als stärkste Kraft hervor, gefolgt von den Salafisten der Partei des Lichts und liberalen Kräften.

Am 15. Juni 2012 wurde das Parlament vom Obersten Militärrat formal aufgelöst und in der Folge den Mitgliedern der Zugang zum Parlament verwehrt, nachdem am Vortag der oberste Gerichtshof das Zustandekommen des Parlaments für verfassungswidrig erklärt hatte, da eine Besetzung eines Drittels der Plätze durch sogenannte „Unabhängige“ nicht erfolgt war.[29] Die nächsten Parlamentswahlen sind für 2013 angesetzt.

Rechtssystem

Vor dem Hintergrund der tunesischen Jasminrevolution begann am 25. Januar 2011 die Revolution in Ägypten, die sich vor allem gegen das seit Oktober 1981 bestehende Regime des Präsidenten Muhammad Husni Mubarak und auf die Forderung nach Rechtsstaatlichkeit, Freiheit und Demokratie richten. Es kam zu einem Sturz Mubaraks. Als Folge darauf gewann die islamistische Freiheits- und Gerechtigkeitspartei an Macht. Sie führte ein Verfassungsreferendum durch, in welchem viele Punkte Gemeinsamkeiten mit der Scharia haben. Beispielsweise wurde ein Absatz zur Gleichstellung der Frau aus der Verfassung gestrichen.[30] Über 60 Prozent stimmten bei dem Referendum für die neue Verfassung.[31]

Menschenrechtssituation

Besonders in Oberägypten sind die als christliche Minderheit oft benachteiligten Kopten Ziel von Terror und Schutzgelderpressungen radikaler Muslime geworden. Neue koptische Kirchen dürfen zwar gebaut werden, bedürfen aber wegen des zum Teil immer noch gültigen Hamayouni-Dekret aus dem Jahre 1856 eine Erlaubnis des ägyptischen Präsidenten.[32] Auch kleinere Reparaturen erfordern einen Präsidialerlass. Auch war Ägypten 1966 daran beteiligt, die in der Menschenrechtsdeklaration von 1948 enthaltene Formulierung „the freedom to change his religion or belief“ abzuschwächen, sodass es nun in Artikel 18 des Internationalen Pakts über bürgerliche und politische Rechte heißt: „the freedom to have or adopt a religion or belief.“[33]

Ägypten hat die UN-Frauenrechtskonvention nur mit Vorbehalten ratifiziert und das Zusatzprotokoll zur Frauenrechtskonvention überhaupt nicht unterzeichnet. Nach USAID-Angaben erlitten 2005 96,4 % der damals 10-14 Jahre alten ägyptischen Mädchen eine Genitalverstümmelung [34]; eine UNICEF-Statistik gibt, bezogen auf das Jahr 2003, eine Inzidenz von 97,0 % in der Altersgruppe der zwischen 15 und 49 Jahre alten Frauen an[35]; damit liegt das Land weltweit an der Spitze bei der Verstümmelung weiblicher Genitalien. Im Zuge des Verfassungsreferendums im Jahr 2012 wurde ein Absatz zur Gleichstellung der Frau aus der Verfassung gestrichen.

In Ägypten ist Folter verbreitet.[36] Die am häufigsten geschilderten Foltermethoden sind Elektroschocks, Schläge, das Aufhängen an Hand- oder Fußgelenken, das Ausdrücken von Zigaretten auf dem Körper sowie verschiedene Formen der psychologischen Folter und Misshandlung, darunter die Androhung der Vergewaltigung oder sexuellen Misshandlung von Gefangenen oder deren weiblichen Verwandten.[37] Die Regierung der USA benutzte, wie im Fall des Imams Abu Omar, Ägypten als Zwischenstopp für Personen, die vom CIA entführt wurden und beauftragte dafür u. a. die CIA-Firma Aero Contractors.[38] In Ägypten wird außerdem auch die Todesstrafe angewandt.

Bei Protesten gegen die Regierung der Muslimbrüder kam es zu schweren Ausschreitungen. Oppositionelle Demonstranten wurden verwundet und inhaftiert, viele davon brutalst geschlagen. [39]

Die Videoplattfrom YouTube wurde aufgrund eines islamfeindlichen Videos für einen Monat gesperrt.[40] 2013 lag Ägypten auf Platz 158 der Rangliste der Pressefreiheit von Reporter ohne Grenzen.[41]

Außenpolitik

Ägypten ist Mitglied der Vereinten Nationen, der Welthandelsorganisation (WTO), der Afrikanischen Union (AU) und der Arabischen Liga. Ägypten ist neben Jordanien das einzige Land im Nahen Osten, das Frieden mit Israel geschlossen hat. Die auf Verständigung mit Israel ausgerichtete Politik wird von Islamisten – unterstützt von Iran, Libyen und Sudan dazu genutzt, gegen den Staat Ägypten zu opponieren. Die Islamisten wurden von Mubarak auf Grundlage der seit 1981 bestehenden Notstandsgesetze bekämpft.

Die Vereinigten Staaten nahmen Ägypten 1989 in die Liste ihrer wichtigsten Verbündeten außerhalb der NATO auf. Damit wird Ägypten auf dessen Anfrage hin bei individuell festgelegten amerikanischen Rüstungsprogrammen anderen Ländern gegenüber bevorzugt, sogar gegenüber einigen NATO-Mitgliedern. Bei einer fünftägigen Nahost-Reise bat die US-amerikanische Außenministerin Condoleezza Rice am 22. Februar 2006 ihren Amtskollegen Ahmed Aboul Gheit um Unterstützung für Washingtons Kurs gegenüber dem Iran und der von der Hamas geführten Palästinensischen Autonomiebehörde.

Nach Gesprächen mit der deutschen Bundeskanzlerin Angela Merkel und dem österreichischen Präsidenten Heinz Fischer in Berlin und Wien, bei denen ebenfalls der Nahost-Friedensprozess und das iranische Atomprogramm Thema waren, rief Mubarak am 13. März 2006 Israel und die Hamas zu sofortigen Friedensgesprächen und zur Beendigung der Gewalt auf. Nach dem Abzug jüdischer Siedler aus dem Gazastreifen einigten sich Ägypten, Israel und Palästina Mitte September 2005 darauf, dass zur Kontrolle der rund 14 km langen Grenze zwischen Ägypten und dem Gaza-Streifen 750 ägyptische Soldaten postiert werden.

Nach der Revolution und die Machtübernahme der Muslimbrüder verschlechterten sich die Beziehungen zu Israel. Der islamistische Präsident Mohammed Mursi unterstütze während der Operation Wolkensäule die Hamas. Außerdem bezeichnete er die Zionisten in einem Video als Nachfahren von Affen und Schweinen. Mursi besuchte auch Deutschland, wo er sagte, dass er nicht die Juden sondern lediglich die Personen die am Blutvergießen schuld tragen gemeint hatte.[42] Mursi ist ein Unterstützer der Aufständischen in Syrien, was Beziehungen zum Iran verschlechterte.[43] Trotzdem ist er der erste ägyptische Präsident der nach der Islamischen Revolution Beziehungen zum Iran wiederherstellte.[44]

Militär

Hauptartikel: Streitkräfte Ägyptens

Die Streitkräfte Ägyptens werden als die stärkste Militärmacht auf dem afrikanischen Kontinent angesehen und rechtfertigen den Status einer Regionalmacht im Nahen Osten. Das Militärbudget (2010) beträgt 2,4 Milliarden US-Dollar, wobei rund 1,3 Milliarden[45] durch die Militärhilfe aus den USA finanziert wurde. Die Streitkräfte unterstehen dem Staatsoberhaupt, der auch gleichzeitig als Oberkommandant den höchsten militärischen Rang bekleidet. Organisiert sind die Streitkräfte in vier Zweigen: Einerseits die klassischen Sparten des Ägyptischen Heeres, der Luftwaffe und der Ägyptischen Marine; zusätzlich fungiert das Luftverteidigungskommando als eigene Teilstreitkraft des Militärs. In Ägypten herrscht eine dreijährige Wehrpflicht für Männer ab achtzehn Jahren. Aufgrund des starken Bevölkerungswachstums werden allerdings nicht mehr sämtliche Rekruten eingezogen, da einer Jahrgangsstärke von über 800.000 Dienstpflichtigen 450.000 aktive Soldaten gegenüberstehen. Allerdings verfügt der Staat noch zusätzlich über circa 250.000 paramilitärische Kräfte, die dem Innenministerium unterstehen und zur Inneren Sicherheit herangezogen werden. Mit der außenpolitischen Annäherung unter Anwar as-Sadat eröffnete sich Ägypten auch den Zugang zu US-amerikanischen Waffenlieferungen, die seit den achtziger Jahren zu einer bedeutenden Modernisierung der Streitkräfte beigetragen haben.

Verwaltungsgliederung

Ägypten ist in 29 Gouvernements (arabisch ‏محافظات‎, DMG muhāfaẓāt, Singular ‏محافظة‎ / muhāfaẓa) unterteilt, an deren Spitze jeweils ein Gouverneur im Ministerrang steht. Der ausgeprägte Zentralismus Ägyptens soll allmählich zugunsten einer größeren Selbstverwaltung auf regionaler Ebene abgebaut werden. Die größten Städte sind (Mio. Einwohner, Stand: 2006) Kairo (7,8), Alexandria (4,1) und Gizeh (3,1), Schubra al-Chaima (1,0), Port Said (0,6), Sues (0,5) und Luxor (0,5).[46]

Soziale Lage

Alle Arbeitnehmer sind sozialversichert; es gibt eine Kranken-, Alters- und Invalidenversicherung, die jedoch nur geringe Grundabsicherungen übernehmen. Geleistet werden auch Hinterbliebenenrenten, Krankengeld und Arbeitslosenunterstützung. Durch geringe Löhne und die Arbeitslosigkeit (Arbeitslosenquote 2009 bei 9,4 % mit einer hohen verdeckten Arbeitslosigkeit) müssen rund 20 % der Bevölkerung unter der Armutsgrenze von zwei US-Dollar pro Tag leben.[47] Unabhängige Gewerkschaften werden unterdrückt, konnten aber nach mehreren Protesten 2010 ihr Recht zu einer offiziellen Gründung durchsetzen.[48] Erschwerend kommt hinzu, dass von den einst 3 Mio. ägyptischen Gastarbeitern im Ausland sehr viele wieder in ihre Heimat zurückgekehrt sind – vor allem aus Kuwait und aus dem Irak. Generell lässt sich sagen, dass auf dem Land eine saisonale Arbeitslosigkeit typisch ist; in den Städten herrscht dagegen eher permanente Unterbeschäftigung. Die Inflation lag im gleichen Zeitraum bei 4,5 % im Durchschnitt.

Das Gesundheitssystem ist in den Städten für afrikanische Verhältnisse relativ gut entwickelt, auf dem Lande gibt es noch gravierende Lücken. Einseitige Ernährung und mangelnde Hygiene sind Ursachen für endemische Krankheiten (etwa Bilharziose) - ; ein weiteres Problem stellen die verschiedenen Arten von Hepatitis, insbesondere Hepatitis A und C, dar. Zugleich bilden fortgeschrittene Hepatitis-Erkrankungen eine der Haupt-Todesursachen für die einheimische Bevölkerung Ägyptens. Zu den weiteren wichtigen Krankheiten im Land zählt Diphtherie; Malaria tritt dagegen eher selten auf.

Bildung

siehe auch: Liste der Universitäten in Ägypten

Allgemeine Schulpflicht bei kostenlosem Unterricht besteht für 6- bis 12-Jährige. Das derzeitige Schulsystem wurde 1952 eingeführt; ihm zufolge schließen sich an die Grundschule eine dreijährige Vorbereitungs- und eine dreijährige Sekundarschule an, darauf folgt die Hochschulausbildung. Die Analphabetenrate beträgt etwa 50 %. Aufgrund der geringen öffentlichen Bildungsausgaben hat sich in Ägypten eine wesentlicher privater Bildungssektor herausgebildet, der aufgrund der Armut und der Gebühren aber nur einem kleinen Teil zur Verfügung steht.[49] Von den zwölf Universitäten Ägyptens befinden sich fünf in Kairo. Eine Besonderheit stellt die Kairoer Al-Azhar-Universität dar; sie ist seit 983 Zentrum islamischer Gelehrsamkeit.

Flüchtlinge

Bei der gewaltsamen Räumung eines von rund 2.500 sudanesischen Flüchtlingen in einem Park in der Kairoer Innenstadt errichteten Zeltlagers durch Sicherheitskräfte am 30. Dezember 2005 kamen 26 Sudanesen ums Leben, zahlreiche wurden verletzt. Bei den Sudanesen handelte es sich um abgewiesene Asylbewerber, die mit ihrem drei Monate dauernden friedlichen Sitzstreik die Wiederaufnahme ihrer Asylverfahren hatte erwirken wollen. Nach Prüfung jedes einzelnen Falles durch die Behörden in Zusammenarbeit mit dem UNHCR wurden bis zum 30. Januar 2006 alle 462 bei der Räumung Festgenommenen wieder auf freien Fuß gesetzt. Die Regierung erklärte, die Flüchtlinge, darunter viele aus der Krisenregion Darfur, würden nicht abgeschoben.

Wirtschaft

Ägypten nimmt vom Pro-Kopf-Einkommen her im afrikanischen Vergleich eine mittlere Position ein. Das BIP ist 2004 um 4,2 % gewachsen. Davon wurden 15 % in der Landwirtschaft, 37 % in der Industrie und 48 % im Dienstleistungssektor erwirtschaftet. 27 % aller Erwerbstätigen arbeiteten 2002 in der Landwirtschaft, 21 % in der Industrie und 52 % im Dienstleistungssektor.

Die zuvor eher sozialistische Planwirtschaft Ägyptens wurde ab den 1970er Jahren unter Präsident Anwar as-Sadat liberalisiert und nach Außen geöffnet. Insbesondere in den 1990ern wurden mehrere staatliche Unternehmen privatisiert. Ägypten ist nach Südafrika das am stärksten industrialisierte Land Afrikas, allerdings ist die Landwirtschaft nach wie vor eine wichtige Grundlage der Wirtschaft. Die Haupteinnahmequellen Ägyptens sind der Erlös aus dem Erdölexport und der Benutzung des Sueskanals sowie die Gastarbeiterüberweisungen und der Tourismus. Ein gravierendes Problem ist die hohe Auslandsverschuldung, sie betrug 2009 28,45 Mrd. US-Dollar.[50] Die Einkommensverteilung im Land ist sehr ungleich. Im Korruptionswahrnehmungsindex von 2009 wird das Land als überdurchschnittlich korrupt gekennzeichnet.[51] Eine größere Rolle in der Wirtschaft kommt auch dem Militär zu, das zahlreiche Unternehmen betreibt.

Wirtschaftszahlen

Wachstum des BIP (Bruttoinlandsprodukts) in % gegenüber dem Vorjahr
Jahr 2009 2010 2011 2012 2013
BIP (real) 4,7 5,1 1,8 2,0 3,0
Quelle: gtai[52]
Entwicklung der Inflationsrate Entwicklung des Haushaltssaldos
in % gegenüber dem Vorjahr in % des BIP
(„minus“ = Defizit im Staatshaushalt)
Jahr 2011 2012 2013 Jahr 2011 2012 2013
Inflationsrate 11,1 8,7 10,7 Haushalts-
saldo
–9,9 –11,1 -9,8
Quelle: gtai[52] ~ = geschätzt
Entwicklung des Außenhandels (in Mrd. US-Dollar und in % gegenüber dem Vorjahr)
2009 2010 2011
Mrd. US$  % ggü. Vj. Mrd. US$  % ggü. Vj. Mrd. US$  % ggü. Vj.
Einfuhr 44,9 -14,9 53,0 18,0 59,3 11,8
Ausfuhr 24,2 -6,9 26,3 8,9 30,8 16,9
Saldo -20,7 -26,7 −28,5
Quelle: gtai[53]

Landwirtschaft in Ägypten (2006)

Landwirtschaft

Ägyptische Bauern (1921)

Die landwirtschaftliche Nutzfläche (rund 3 % der Staatsfläche) ist auf das Niltal und das Nildelta sowie einige Oasen begrenzt. Die Bauern (Fellachen) bewirtschaften das Land mit teilweise jahrtausendealten Anbau- und Bewässerungsmethoden. Dabei hat sich der landwirtschaftliche Anbau von einer Subsistenz- zu einer Exportorientierung gewandelt, so dass relativ betrachtet weniger landestypische Nahrungsmittel wie Hirse, Saubohnen und Kohl geerntet werden. Um die stark wachsende Bevölkerung zu ernähren, müssen große Mengen importiert werden – im Jahr 1980 wurden über 5 Mio. Tonnen Weizen aus dem Ausland eingeführt, das sind dreimal soviel, wie in Ägypten selbst angebaut wurde. Da weite Teile Ägyptens – mit Ausnahme der bereits genutzten Flächen – sehr arid sind, kaum Wasserquellen für eine künstliche Bewässerung existieren und eine landwirtschaftliche Nutzung daher nicht möglich ist, ist ein Ende der hohen Zahl an Importen nicht in Sicht. Der Assuan-Staudamm sorgte zudem dafür, dass die Überflutung des Nils fast nicht mehr existiert und somit die Ernteflächen kleiner und wegen fehlendem Nilschlamm unfruchtbarer wurden, nun jedoch mehrmals im Jahr geerntet werden kann. Zurzeit werden jedoch im Rahmen des Toshka-Projekts Teile der ägyptischen Wüste westlich des Nil für die Landwirtschaft nutzbar gemacht. Das traditionell bedeutendste Produkt ist die Baumwolle. Außerdem werden Zuckerrohr, Mais, Reis, Weizen, Hirse, Kartoffeln, Obst und Gemüse angebaut. Die Viehhaltung ist aus Mangel an Dauergrünland auf Futtermittelanbau angewiesen. Rinder und Büffel dienen als Last- und Arbeitstiere sowie neben Schafen und Ziegen der Fleisch- und Milchgewinnung.

Industrie

Bei den größeren Industriebetrieben herrscht meist eine enge Verflechtung zwischen Regierung und Wirtschaft (Regierungsmitglieder als Teilinhaber). Die Zahl privater Unternehmen, zum Teil mit ausländischer Beteiligung wie im Fahrzeugbau, hat seit den 70er Jahren deutlich zugenommen. Die ältesten Gewerbezweige sind die Verarbeitung von Baumwolle, Zucker und anderen Agrarprodukten. Später kamen Zement-, Düngemittel-, Eisen-, Stahl- und Aluminiumerzeugung, Elektro- und chemisch-pharmazeutische Industrie, Erdölverarbeitung sowie Maschinen- und Fahrzeugbau hinzu. Eines der größten Privatunternehmen ist die Firma Asfour Crystal International (ca. 23.000 Mitarbeiter in Kairo – el Shobra), die auf dem Gebiet der Erzeugung von Bleikristall mit über 30 % Bleigehalt und damit mit der Erzeugung von Kristalllustern für den Privatgebrauch wie auch für die industrielle Nutzung Weltmarktführer sind. Seit 2001 ist das Unternehmen unter anderem auch Weltmarktführer von kristallenen Schmucksteinen und Kristallfiguren. Aufgrund der geringen Exportkraft (siehe Außenhandel) nehmen Aufträge der Regierung für die Produzenten von Konstruktionsmaterial (Stahl, Zement usw.) eine wichtige Rolle ein.

Bodenschätze, Energie

Der bedeutendste Bodenschatz ist das Erdöl, das vor allem im Golf von Sues, in der Kattarasenke und auf der Sinai-Halbinsel gefördert wird. Außerdem werden Rohphosphate, Eisen- und Manganerze sowie Salz gewonnen. Meist noch unerschlossen sind die Vorkommen von Asbest, Schwefel, Buntmetallen und Uranerzen. Das seit 1975 geförderte Erdgas wird ausschließlich im Inland zur Energieerzeugung und für die Düngemittelproduktion verwendet. Der Bau mehrerer Wärmekraftwerke auf Erdgasbasis sowie einiger Kernkraftwerke ist geplant. Die zwei Wasserkraftwerke am alten Assuan-Staudamm sowie am neuen Hochdamm erzeugen etwa 15 % des ägyptischen Stroms; senkt sich der Wasserspiegel des Nassersees jedoch weiter, ist die Stromerzeugung gefährdet.

Im November 2011 wurde bekannt, dass Ägypten aufgrund steigender Bevölkerungszahlen auf erneuerbare Energien umzusteigen plant. Den Prognosen zufolge wird der Stromverbrauch des Landes jährlich um rund acht Prozent steigen. Ein erstes Solarkraftwerk ist zu dieser Zeit bereits in Betrieb, bis 2020 soll der Anteil erneuerbarer Energie bei 20 Prozent liegen.[54]

Außenhandel

Die Außenhandelsbilanz ist schon seit Jahren defizitär. Die Einfuhren können bei weitem nicht durch die Exporteinnahmen finanziert werden, was zu einer enormen Auslandsverschuldung geführt hat. Importiert wurden 2004 Güter im Wert von 19,8 Mrd. US$, darunter 18 % Nahrungsmittel, 17 % Maschinen und Fahrzeuge, 13 % industrielle Vorerzeugnisse, 11 % chemische Erzeugnisse, 8 % Rohstoffe und 8 % Brennstoffe. Die Waren stammten zu 13 % aus den USA, 7 % aus Deutschland, 7 % Italien, 5 % Frankreich, 5 % VR China, 5 % Vereinigtes Königreich, 4 % Saudi-Arabien und 3 % Spanien.

Exportiert wurden im gleichen Zeitraum Güter im Wert von 10,4 Mrd. US$, darunter 40 % Brennstoffe und technische Öle, 20 % industrielle Vorerzeugnisse, 9 % Nahrungsmittel, 8 % Rohstoffe, 5 % chemische Erzeugnisse und 4 % Fertigerzeugnisse. Hauptabnehmer waren zu 13 % Italien, 12 % USA, 7 % Vereinigtes Königreich, 5 % Deutschland, 5 % Spanien, 4 % Frankreich, 3 % Niederlande, 2 % Jordanien, 2 % Türkei, 2 % Südkorea und 2 % Saudi-Arabien.

Staatshaushalt

Der Staatshaushalt umfasste 2009 Ausgaben von umgerechnet 61,61 Mrd. US-Dollar, dem standen Einnahmen von umgerechnet 48,86 Mrd. US-Dollar gegenüber. Daraus ergibt sich ein Haushaltsdefizit in Höhe von 6,78 % des BIP.[50]
Die Staatsverschuldung betrug im Jahr 2009 ca. 150 Mrd. US-Dollar oder 79,8 % des BIP.[50]

2006 betrug der Anteil der Staatsausgaben (in % des BIP) folgender Bereiche:

Tourismus und Verkehr

Ein weiterer wichtiger Wirtschaftszweig ist Tourismus, der nach den Terroranschlägen auf touristische Ziele in den 1990er und 2000er Jahren jedoch zeitweise starke Einbrüche verkraften musste (Luxor 1997, Sinai 2004 und 2005 und 2006 in Dahab). Unbekannte Täter zündeten am 23. Juli 2005 an drei Orten in dem von ausländischen Touristen stark frequentierten Badeort Scharm El-Scheich auf der Sinai-Halbinsel insgesamt 400 Kilo Sprengstoff, dabei wurden 64 Menschen getötet und mehr als 200 verletzt. Zu den Anschlägen bekannten sich neben den der Al-Qaida nahestehenden Abdullah-Assam-Brigaden, die auch für die Anschläge vom Oktober 2004 in Taba verantwortlich zeichneten, eine weitere bisher unbekannte Terrororganisation. Bis zum 26. Juli hatte die Polizei 140 Verdächtige festgenommen. Nach Angaben des Innenministeriums wurden am 14. August die beiden Hauptschuldigen der Bombenserie dingfest gemacht. Zu weiteren blutigen Terroranschlägen kam es in Dahab. Am 24. April 2006 explodierten in dem Badeort auf der Sinai-Halbinsel drei Sprengsätze, dabei kamen mindestens 23 Menschen ums Leben und 80 weitere wurden zum Teil schwer verletzt. Daraufhin verlängerte das Parlament den seit 1981 geltenden Ausnahmezustand um zwei Jahre. Sicherheitskräfte nahmen bis Mitte Mai rund 40 Verdächtige fest und töteten sieben mutmaßliche Attentäter beziehungsweise Drahtzieher der Anschläge. Am 9. Mai wurde der Anführer der Terrororganisation Tawhid wal Jihad, die für die jüngsten Anschläge verantwortlich gemacht wird, bei einem Feuergefecht im Norden des Sinai getötet. Ägypten weist im Sinai und an der Grenze zu Libyen nach mehreren Kriegen immer noch die Gefahr von Landminen auf.

Ein Reisender steigt auf die Cheops-Pyramide (1860/80, Pascal Sébah)

Der Tourismus ist eine der wichtigsten wirtschaftlichen Einnahmequellen im Land. Besonders die ägyptischen Altertümer sind ein großer Anziehungsmagnet für ausländische Besucher. Thomas Cook erfand hier 1869 die Pauschalreise, in dem er Briten und Amerikaner durch das Land der Pharaonen lotste. Neben Gizeh, Kairo und Alexandria wird auch Luxor gern besucht, von wo aus unter anderem das Tal der Könige erreicht werden kann. Luxor ist auch der Ausgangspunkt für Nilkreuzfahrten bis nach Assuan. Von dort werden Flüge und Bus- Touren nach Abu Simbel angeboten. Die meisten Reiseveranstalter bieten dann einen Inlandsflug nach Kairo und nach diesem Kairo-Aufenthalt einen Badeurlaub in Hurghada an.

Die Revolution in Ägypten 2011/2012 wirkte sich direkt auf den Tourismussektor aus. 2010 wurden noch 14,7 Millionen Touristen gezählt, davon 1,3 Millionen aus Deutschland. 2011 waren es nur noch 9,8 Millionen Touristen, von denen rund 965. 000 aus Deutschland kamen.[56]

Die Touristenhochburg ist Hurghada am Roten Meer. Der moderne Touristenort Scharm El-Scheich an der Südspitze der Sinai-Halbinsel ist besonders bei Freunden des Tauchsports sehr beliebt, in den letzten Jahren kamen auch immer mehr Unterwasser-Sportler ins nördlich davon gelegene Dahab. Durch den allgemein weiter steigenden Tauch-Tourismus werden auch Orte südlich von Hurghada, entlang der westlichen Küste des Roten Meeres, erschlossen. Hierzu zählen al-Qusair und Marsa Alam, sowie kurz vor der sudanesischen Grenze Asch-Schalatin. In absehbarer Zeit wird sich die Grenze zum Hala’ib-Dreieck öffnen. 30 km vor der Grenze zu Sudan liegt 20–25 km landeinwärts der Gebel-Elba-Nationalpark, der sich als neuer Touristenmagnet anbietet.

Wichtigster Verkehrsträger ist die Eisenbahn, das Netz der Ägyptischen Staatsbahnen (Streckenlänge rund 7.700 km) ist das älteste in ganz Afrika. Es konzentriert sich wie das Straßennetz (Gesamtlänge rund 45.000 km; zwei Drittel sind befestigt) auf das Niltal und das Nildelta. Ein Straßentunnel unter dem Sueskanal verbindet das ägyptische Kernland mit der Sinai-Halbinsel. Eine wichtige Rolle spielt der 161 km lange Sueskanal zwischen dem Mittelmeerhafen Port Said und Sues am Roten Meer. Nach mehreren Ausbaustufen kann er von Schiffen sogar bis zu 150.000 BRT (teilbeladen sogar bis zu 260.000 BRT) befahren werden. Der größte, zeitweise stark überlastete Seehafen ist Alexandria. Außerdem sind 3.350 km Binnenwasserstraßen schiffbar, auf denen 25 % des Güterverkehrs abgewickelt werden. Kairo, Alexandria und Luxor verfügen über internationale Flughäfen.

Kultur

Die Kulturgeschichte Ägyptens reicht 6000 Jahre zurück. Das alte Ägypten gehörte zur den ersten Zivilisationen und behielt über Jahrtausende hinweg eine enorm komplexe und stabile Kultur, die spätere Kulturen in Europa, dem Nahen Osten und Afrika beeinflusste. Nach der pharaonischen Ära geriet Ägypten selbst unter den Einfluss des Hellenismus, des Christentums und der islamischen Kultur. Heute sind viele Aspekte der alten ägyptischen Kultur immer noch präsent und spielen mit neueren Elementen zusammen, unter anderem dem Einfluss der modernen westlichen Kultur.

Die ägyptische Hauptstadt Kairo ist die größte Stadt Afrikas und seit Jahrhunderten als Zentrum von Kultur, Wissenschaft und Handel bekannt. Ägypten hat zudem die höchste Anzahl von Nobelpreisträgern in Afrika und der gesamten arabischen Welt. Einige in Ägypten geborene Politiker nehmen wichtige Positionen in großen internationalen Organisationen ein, wie Boutros Boutros-Ghali in der UN und Mohammed el-Baradei in der IAEA.

Weiterhin ist Ägypten als kultureller Vorreiter und somit „Trend-Setter“ der arabischsprachigen Welt bekannt, weshalb die zeitgenössische arabische Kultur sehr von ägyptischer Literatur und Musik sowie ägyptischen Filmen und Fernsehen geprägt wird. Seine regionale Dominanz gewann Ägypten zwischen 1950 und 1960.

Kulturelle Identität

Das Niltal war die Heimat einer der ältesten Kulturen der Welt, deren Geschichte über 3000 Jahre andauerte. Eine Serie verschiedener Fremdherrschaften nach 343 v. Chr. drückte der ägyptischen Kulturlandschaft ihren Stempel auf. Die ägyptische Identität entwickelte sich in dieser langen Periode der Besatzungen grundsätzlich aus der Anpassung an zwei neue Religionen, Islam und Christentum, und einer neuen Sprache, nämlich Arabisch, heraus. Aus dem Arabischen entstand daraufhin das ägyptische Arabisch.

Nach 2.000 Jahren der Besetzung bildeten sich drei Ideologien heraus, die unter den jetzt unabhängigen Ägyptern verbreitet waren: einerseits der sogenannte ethno-territoriale ägyptische Nationalismus, der auch als „Pharaonismus“ bekannt ist, andererseits der säkulare arabische Nationalismus bzw. Pan-Arabismus und der Islamismus. Dabei geht der ägyptische Nationalismus seinem arabischen Gegenstück um mehrere Dekaden voraus, weil er seine Wurzeln im 19. Jahrhundert hat, wo er Ausdrucksform der antikolonialistischen Aktivisten und Intellektuellen bis zum frühen 20ten Jahrhundert war. Unter Nasser erreichte der arabische Nationalismus seinen absoluten Hochpunkt im Sinne des Nasserismus, folgend klang er unter Sadat wieder ab. Währenddessen fand der Islamismus, wie er etwa von der Muslimbruderschaft vertreten wird, Anklang in kleineren Teilen der unteren Mittelschicht.

Die Arbeiten des Gelehrten Rifa’a at-Tahtawi führten im frühen 19. Jahrhundert zur ägyptischen „Renaissance“ (Nahda), die den Übergang vom Mittelalter zum frühmodernen Ägypten darstellt. Ebendiese Arbeiten haben das Interesse an ägyptischen Antiquitäten erneuert und die ägyptische Gesellschaft mit den Prinzipien der Aufklärung in Kontakt gebracht. Tahtawi gründete zusammen mit dem Bildungsreformer Ali Mubarak eine heimische Schule der Ägyptologie, die sich an mittelalterlichen Gelehrten, wie Suyūṭī und Maqrīzī, orientierte; diese studierten selbst die Geschichte, Sprache und die Antiquitäten Ägyptens.

Durch die Arbeit von Personen wie Muhammad Abduh, Ahmed Lutfi el-Sayed, Muhammad Loutfi Goumah, Tawfiq el-Hakim, Louis Awad, Qasim Amin, Salama Moussa, Taha Hussein und Mahmoud Mokhta erreichte die kulturelle „Renaissance“ ihren Hochpunkt im späten 19. und frühen 20. Jahrhundert. Sie ebneten einen liberalen Weg für Ägypten, der sich in einem Bekenntnis zu persönlicher Freiheit, Säkularismus und Glaube an die Wissenschaft um des Fortschrittes Willen äußert.

Kunst und Architektur

Ägypten war eine der ersten Zivilisationen, der es gelang Gestaltungselemente in Kunst und Architektur zu chiffrieren. Die im Dienste der Pharaonen geschaffenen Wandmalereien folgten einem rigiden Code visueller Regeln und Bedeutungen. Die ägyptische Zivilisation ist weltweit berühmt für ihre gewaltigen Pyramiden, Tempel und Gräber. Zu den bekanntesten Beispielen gehören die Pyramide von Djoser, welche von dem Architekten und Ingenieur Imhotep gestaltet wurden, der Große Sphinx von Gizeh und der Tempel von Abu Simbel. Moderne und zeitgenössische ägyptische Kunst kann sich mit der weltweiten Kunstszene messen, von der funktionalen Architektur Hassan Fathys und Ramses Wissa Wassefs über Mahmoud Mokhtars Skulpturen bis zu den charakteristischen koptischen Ikonografien von Isaac Fanous.

Die Kairoer Oper fungiert als Hauptveranstaltungsort darstellender Künste in der Hauptstadt. Seit dem 19. Jahrhundert florieren Medien- und Kunstindustrie, im heutigen Ägypten gibt es mehr als dreißig Satellitensender und es werden etwa 100 Filme im Jahr produziert. Kairo ist auch bekannt als „Hollywood des nahen Ostens“; das jährlich stattfindende Cairo International Film Festival wurde als eines von elf Festivals weltweit durch die International Federation of Film Producers’ Associations mit einer Top-Class-Bewertung beurteilt. Um die Medienindustrie weiter zu fördern, insbesondere im Hinblick auf den Wettbewerb aus den Golfstaaten und dem Libanon, wurde eine große „Media-City“ errichtet. Ein bekannter ägyptischer Schauspieler ist Omar Sharif.

Ägyptische Kinospielfilmproduktion[57]
Jahr Anzahl
1975 49
1985 75
1995 13
2005 23

Medien

Die ägyptischen Massenmedien verfügen über großen Einfluss in der arabischen Welt, vor allem durch ihr beträchtliches Publikum und die zunehmende Freiheit vor staatlichen Einschränkungen. Auch wenn die Freiheit der Medien durch die Verfassung theoretisch garantiert wird, beschneiden nach wie vor viele Gesetze dieses Recht. Nach den Präsidentschaftswahlen 2005 hat Ahmed Selim, Büroleiter des Informationsministers Anas El-Fiqqi eine Ära “freier, transparenter und unabhängiger ägyptischer Medien” ausgerufen.

Heute erfahren die Medien größere Freiheit. Verschiedene ägyptische Talkshows wie “90 Minutes” und “Al-Ashera Masa’an” werden auf Privatsendern ausgestrahlt, und sogar staatliche Programme wie “El-beit beitak” kritisieren offen die Regierung, was zuvor verboten war.

Die Egyptian Radio and Television Union (ERTU) ist die staatliche Rundfunkgesellschaft Ägyptens. Das Deutsche-Welle-TV strahlt seit dem 28. Februar 2005 täglich drei Stunden arabisches Programm über den ägyptischen Satelliten NileSat in den Nahen Osten aus.

Literatur

Die Literatur ist ein wichtiges Element des kulturellen Lebens in Ägypten; ägyptische Romanautoren und Poeten waren unter den ersten, die mit modernen Stilrichtungen der arabischen Literatur experimentierten. Die von ihnen entwickelten Formen wurden im ganzen nahen Osten nachgeahmt. Das erste moderne Buch in ägyptischer Umgangssprache “Zaynab” von Muhammed Husayn Haykal wurde 1913 veröffentlicht. Der Autor Nagib Mahfuz war der erste arabischsprachige Autor, der den Nobelpreis für Literatur gewann. Zu den ägyptischen Schriftstellerinnen zählen Nawal El Saadawi, die für ihren feministischen Aktivismus sehr bekannt ist, und Alifa Rifaat, die unter anderem über Frauen und Tradition schreibt.

Landessprachliche Lyrik ist wahrscheinlich das unter den Ägyptern populärste Literaturgenre, die Gattung wird besonders durch Ahmed Fouad Negm (Fagumi), Salah Jaheen und Abdel Rahman el-Abnudi vertreten. In ihrem Glauben wurden Boote von den Toten verwendet um die Sonne bei ihrem Weg um die Welt zu begleiten, der Himmel wird als “obere Gewässer” bezeichnet. In der ägyptischen Mythologie greift der schlangenförmige Gott Apophis jede Nacht das Sonnenboot an, während es die Sonne (und somit die Ordnung) am Morgen zurück zum Königreich bringt. Das Boot wird auch “Boot der Millionen genannt”, da alle Götter und Seelen der gesegneten Toten eines Tages gebraucht werden, um es zu verteidigen und zu steuern.

Musik

Siehe auch: Musik Ägyptens

Die ägyptische Musik ist eine reiche Mischung indigener, mediterraner, afrikanischer und westlicher Elemente. Im alten Ägypten wurden vor allem Harfen und Flöten gespielt, darunter zwei einheimische Instrumente: die Nay und der Oud. Perkussion und Vokalmusik sind schon immer ein wichtiger Teil der lokalen Musiktraditionen gewesen. Zeitgenössische ägyptische Musik führt ihre Wurzeln auf die Arbeiten etwa von Abdu-I Hamuli, Almaz und Mahumud Osman zurück; diese beeinflussten somit die bedeutenden Musiker Sayed Darwish, Umm Kulthum, Mohamed Abdelwahab und Abdel Halim Hafez. Um 1970 nahm die Wichtigkeit der ägyptischen Popmusik für die Kultur immer weiter zu, während Folk weiterhin auf Hochzeiten und anderen Festlichkeiten gespielt wurde. Zu den prominentesten zeitgenössischen Popmusikern zählen Amr Diab und Mohamed Mounir.

Feste

In Ägypten werden viele Festivals und religiöse Volksfeste, bekannt als “mulid”, gefeiert. Diese sind meist verbunden mit einem bestimmten koptischen oder sufistischen Heiligen, werden aber häufig von allen Ägyptern unabhängig von Glaube und Religion gefeiert. Der Ramadan in Ägypten hat eine eigenen Note; er wird mit Musik, Lichtern (örtliche Laternen werden “fawannes” genannt) und vielen Feuern begangen, was muslimische Touristen aus der Region in das Land zieht, um das Spektakel zu betrachten. Das alte Frühlingsfest Sham el Nisim (koptisch “shom en nisim”) wird seit tausenden von Jahren gefeiert, typischerweise zwischen den Monaten des ägyptischen Kalenders Paremoude (April) und Pashons (May), dem Ostersonntag folgend.

Sport

Fußball ist der Nationalsport Ägyptens. Die bekanntesten Teams, die den Ruf von alteingesessenen regionalen Champions besitzen, sind folgende:

Bedeutenden Spielen gelingt es, die Straßen von Ägypten zu beleben, da der Sieg eines Teams häufig Anlass für Feierlichkeiten ist. Besonders das Spiel Al Ahly gegen Al Zamalek SC, auch bekannt als Cairo Derby, wird als eines der leidenschaftlichsten und auch kämpferischsten Spiele der Welt angesehen. Der BBC erwählte es als eines der härtesten Derbys der Welt.[58] Die Ägyptische Fußballgeschichte ist umfangreich, da Fußball dort seit mehr als 100 Jahren gespielt wird. Das Land ist Gastgeber vieler afrikanischer Wettkämpfe, z. B. des Africa Cup of Nations. Obwohl sich die Nationalmannschaft Ägyptens seit 1990 nicht mehr für den FIFA World Cup qualifiziert hat, hat sie den Africa Cup of Nations unerreichte sieben mal gewonnen, zweimal in Folge 1957 und 1959 sowie dreimal in Folge 2006, 2008 und 2010, was niemals zuvor ein Team geschafft hat.

Weitere populäre Sportarten Ägyptens sind Squash und Tennis. Die Ägyptische Squash-Mannschaft nimmt seit den 1930er Jahren an internationalen Wettbewerben teil und ist für ihren leidenschaftlichen Einsatz um den Sieg bekannt. Ägyptens bester Spieler ist Amr Shabana, der viermal die Squash-Weltmeisterschaft gewann und insgesamt 33 Monate die Weltrangliste anführte.

Das Ägyptische Handballteam hat ferner den dritthöchsten Medaillenstand der Handball-Afrikameisterschaft.

2007 unternahm Omar Samra zusammen mit Ben Stephens (England), Victoria James (Wales) und Greg Maud (Südafrika) eine Expedition auf den Mount Everest. Diese Expedition begann am 25. März und dauerte etwas länger als sieben Wochen. Am 17. Mai um genau 09:49 Uhr nepalesischer Zeit wurde Omar Samra der erste Ägypter, der jemals den 8848 Meter erklommen hat.

Ägypten nimmt seit 1912 an den Olympischen Sommerspielen teil.

Literatur

Zum alten Ägypten
  • Umfangreiche Literaturliste zum Thema
  • Jean Bingen (Hrsg.): Hellenistic Egypt. University Press, Edinburgh 2006
  • Hermann A. Schlögl: Das alte Ägypten. (Beck Wissen), München 2003 (knappe Einführung mit Literatur).
  • Lucia Gahlin: Ägypten – Götter, Mythen, Religionen. Verlag EDITION XXL, 2005 ISBN 3-89736-312-7
Länderkunde
  • anonym: Aegypten; was es war – ist – und seyn könnte, oder Beschreibung der Städte, Einwohner, Religion, Sitten, Produkte, Flüsse [et]c. dieses Landes. Berlin 1799 (Digitalisat)
  • Fouad N. Ibrahim, Barbara Ibrahim: Ägypten, WBG-Länderkunde, Darmstadt 2006
Fachlexika

 Quelle

 

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Billig Ägypten Urlaub, 9.2 out of 10 based on 10 ratings

One Response to Billig Ägypten Urlaub

  1. Thomas says:

    Sind gerade vom Badeurlaub aus Ägypten wieder gekommen, es war wunderschön. Das Rote Meer war schön warm und die Vielfalt der Fische war traumhaft.
    Schöne Seite , weiter so.

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